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Fanfaren üben auf den
Menschen schon immer eine Faszination aus. Der
laute und durchdringende Fanfarenton alarmiert, warnt, weckt
und erregt Aufmerksamkeit. Über Jahrhunderte hat sich an
dieser Funktion der Fanfaren und Signale nichts geändert.
Auch in der heutigen Zeit sind diese geeignet, das Aufsehen
des Publikums zu erzielen. Sie erklingen als Signations
im Fernsehen oder bei Eröffnungen von kulturellen und sportlichen
Festspielen, Inaugurationen von Staatsmännern, Events, Partys
und Produktpräsentationen.
Wenn wir von imperialen Fanfaren sprechen, denken wir
unweigerlich an die europäischen Kaiser- und Fürstenhöfe. Die
Trompeter und Pauker bildeten im ausgehenden Mittelalter einen
unverzichtbaren Bestandteil der fürstlichen Hofhaltung. Höfische
Trompeter übten ihre repräsentative Funktion aus, sobald sich der
Monarch in der Öffentlichkeit zeigte und wieder zurückzog. Sie
begleiteten ihn ebenfalls zu den Reichstagen, bei Krönungen und
Huldigungen. Um eine eindrucksvolle Interpretation zu gewährleisten,
war es bei Krönungs- und Hochzeitsfeierlichkeiten üblich, den
imperialen Klang der Hof-Trompeter als Geschenk zu präsentieren. Als
Höhepunkt solcher pompöser und imperialer Veranstaltungen galt das
gleichzeitige Spiel aller versammelten Trompeter der verschiedenen
Kaiser- und Fürstenhöfe. Vom Treffen der Könige Wladislaw II. von
Böhmen und Sigismund I. von Polen mit dem römisch-deutschen Kaiser
Maximilian I. in Schwechat, bei dem dieser am 17. Juli 1515 zwei
seiner Enkel mit den Kindern der beiden Könige verheiratete,
überlieferte der Hofberichterstatter Cuspinian, „dass es während der
Nachfeier in Wiener Neustadt erst schön geworden sei, als der Kaiser
mit 45 Trompetern und 6 Paukern auftrat“. (Musik in Österreich,
Hrsg. Gottfried Kraus). La Marche Italienne oder Bruit de Guerre
sind außergewöhnliche Beispiele, wie Prunk und Gala in Frankreich in
ihrer Hochblüte im 17. Jahrhundert unter André D. Philidor, M.A.
Charpentier und Jean-B. Lully zelebriert wurden.
Repräsentationsfanfaren am Kaiserhof der Habsburger dienten
nicht nur dem Prunk, sondern waren Gebrauchsmusik bei Empfängen
des Kaisers, Taufen, dynastische Namens- und Geburtstagen
und anderen königlichen Festlichkeiten. Kirchliche Feierlichkeiten
wurden von Intraden eingeleitet. Nach kirchlichem Hofzeremoniell
erklang das musikalische Morgengebet Prière du Matin/Altenburger. Unterhaltung
und Amusement kamen am Wiener Hof keinesfalls zu kurz, davon
geben die Divertiment-Fanfaren Toccata/ Monteverdi und Pferdeballett/Schmelzer, aufgeführt
1667 in der Wiener Hofburg anlässlich der Vermählung Leopolds
I. mit der Infantin Margareta von Spanien, klangliches Zeugnis.
In den Prunkräumen wurde von den Hoftrompetern auch zum
Tanz aufgespielt. Ein schönes Beispiel für Tanzfanfaren
ist die Festtafelmusik. Das Blasen an
der imperialen Tafel nannte man den Trombet- undt musikalischen
Tafeldienst. Bei höfischen Banketten und prächtigen Mahlzeiten
war es Aufgabe der Trompeter, jeden neuen Gang mit Tafelfanfaren
musikalisch anzuzeigen.
Im Freien, auf Residenz- und Marktplätzen schmetterten die
Trompeten in lauten und vulgären Tönen. In Festsälen, Kirchen oder
auf Prunkstiegen erklangen Fanfaren kultivierter und mit feiner
Tonkultur. Mit unterschiedlicher Besetzungsgröße und Spieltempo
wurde dem jeweiligen Anlass Rechnung getragen. Alle zu
Repräsentations-zwecken verwendeten Trompeten waren aus Silber und
reichverziert, im Alltag hingegen verwendete man Trompeten aus
Messing.
Eine Besonderheit am Wiener Hof war die unterschiedliche
Anstellung des Fanfaren-bläsers entweder als musikalischer Trompeter
oder Feldtrompeter. Bereits um 1566/76 finden wir in Wien unter den
15 dort angestellten vier musikalische Trompeter. Gemeint war damit
ein Trompeter mit höherem Ausbildungsgrad, der auch Noten lesen
konnte und das Instrument virtuos beherrschte. Später hießen sie
auch Cammer- bzw. Concert-Trompeter. Die nichtmusikalischen
Trompeter oder Feldtrompeter wurden als Bot-schafter bzw. für den
reinen Signaldienst eingesetzt. Sie ritten zu feindlichen Linien, um
Depeschen zu überbringen.
Wie in der Vergangenheit verbreitet der Klang der Solotrompete
auch heutzutage eine Stimmung der Besinnlichkeit und Trauer
bei Totengedenken und Begräbnisfeierlich-keiten. Wrapped in Mystery, ist dem Gedenken
an die Opfer des Terroranschlages auf das World Trade Center
in New York am Dienstag, dem 11. September 2001 gewidmet.
Dieses Werk wurde von Leonhard Leeb in Grado/Italien an
diesem Tag unter dem Eindruck des schaurigen Ereignisses
komponiert.
(© 2002 Text: Leonhard Leeb)
Text
in Englisch

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